Ein Beitrag von Emely Sagstetter
Seit den 1970er Jahren bietet die Studiobühne der LMU den Studierenden der Theaterwissenschaft die Möglichkeit, sich unter anderem in den Bereichen der Regie, Bühnenbild, Dramaturgie und dem Schauspiel auszuprobieren. Was aus Eigeninitiative einer kleinen Gruppe von Studierenden im Keller des Geschwister-Scholl Platzes begann, wurde in den folgenden Jahrzehnten zum Teil des Ausbildungskonzepts.
In diesem Jahr feiert die Theaterwissenschaft an der LMU ihr 100-Jähriges. Ihre Anfänge in den späten 1920er Jahren waren geprägt durch einen starken Fokus auf Theatergeschichte. Die Forschung und besonders auch die praktische Auseinandersetzung mit dem Theater spielten zunächst kaum eine Rolle.
Das änderte sich Ende der 50er Jahre. Eine Gruppe von Studierenden schloss sich zusammen, um sich nicht nur theoretisch mit den Inhalten zu befassen, sondern auch aus der Perspektive der Theaterpraxis. Ohne offizielle Leitung und Organisation, einfach nur aus eigenem Antrieb. Seit den 1960er Jahren konnten die Studierenden in Räumlichkeiten der Ludwigstraße 25 mit ihren eigenen Stücken experimentieren, sich austoben, Theater spielen und inszenieren.

Foto: Emely Sagstetter.
Erst rund drei Jahrzehnte später, also in den neunziger Jahren, erhielt die Studiobühne eine feste Leitung – durch Dr. Katrin Kazubko. Wie sie mir in einem persönlichen Gespräch mitteilte, scheint die Organisation zu Beginn nicht einfach gewesen zu sein, doch durch die Gründung der Bayerischen Theaterakademie August Everding und die Einführung einer Pflicht für ein Bühnenpraktikum im Studium der Theaterwissenschaft erlangte die Studiobühne rasch Zuwachs und Ansehen.
Durch den Erfolg von Stücken wie der Ursonate von Kurt Schwitters beispielsweise lassen sich die hohe Motivation der Teilnehmer:innen und ein verstärkter Fokus auf die Kunst des Schauspiels besonders gut erkennen. Mit dieser dadaistischen Sprechoper erzielte das studentische Theaterkollektiv koonsfamilie den 1. Preis beim Festival International du Théàtre Universitaire d‘Agadir in Marokko. Dadurch gewann die Studiobühne an internationalem Ansehen und wurde zu Gastspielen unter anderem nach Kanada und in die USA eingeladen.
2015 stand die Studiobühne jedoch vor einer großen Veränderung: Die institutseigene Bühne in der Ludwigsstraße musste wegen eines Bauprojekts weichen. Nach dem ersten Schock begann die intensive Suche nach einem neuen Zuhause. Mehrere Standorte standen zur Diskussion, scheiterten jedoch an organisatorischen oder räumlichen Bedingungen. Ein möglicher Spielort in Freimann wurde beispielsweise aufgrund der Lage verworfen: zu weit weg vom Zentrum.
Man würde vielleicht meinen, das Projekt Studiobühne habe während dieser Zeit pausiert. Aber das Gegenteil war der Fall: die Zeit wurde von allen Beteiligten weiterhin für ihre praktischen Arbeiten genutzt, und im Zuge dessen erweiterte sich sogar das Publikum. Denn die Teilnehmenden gastierten in Ausweichspielstätten, unter anderem im Pathos, i-camp (heute: hochx) und Heppel & Ettlich. So gewannen die Aufführungen der Studierenden an Reichweite, und sie bekamen die Möglichkeit, sich auf verschiedenen Bühnen auszuprobieren.

© koons familie

und den Wolfsbrunnen.
Foto: Emely Sagstetter.
Erst drei Jahre später, gefüllt mit Verhandlungen und anstrengender Suche, fand sich ein neuer Standort, und zwar in prominenter Nachbarschaft, neben den Münchner Kammerspielen und in der Nähe des Residenztheaters sowie der Bayerischen Staatsoper:
Die Neuturmstraße 5 ist seit 2018 die neue Adresse der Studiobühne. Vor dem Einzug mussten die Räumlichkeiten jedoch umfassend umgebaut werden, da diese zuvor für lange Zeit als Diskothek genutzt worden waren. Vielleicht war diese Notwendigkeit der Umbauten aber sogar das Beste, was passieren konnte. Denn so konnte Katrin Kazubko die Gestaltung der neuen Bühne von Beginn an mitprägen und optimale Voraussetzungen für den Theaterbetrieb schaffen.

Foto: Emely Sagstetter.
Im vergangenen Jahr übernahm Marcus Kubesch die Leitung der Studiobühne und löste damit Katrin Kazubko ab, die diese Position 31 Jahre lang innehatte. Auch wenn sich die Leitung und die Studierenden im Laufe der Zeit verändert haben, bleiben Experimentierfreude und Kreativität ein fester Bestandteil der Studiobühne.
Über die Autorin: Emely Sagstetter studiert Kunstgeschichte und Kunst, Musik, Theater. In ihrem Studium fokussiert sie sich auf die Kunst der frühen Neuzeit im europäischen Raum.
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