Drosophila Melanogaster. (Seufz…)
Jetzt beginnt wieder die Fruchtfliegen-Zeit, und jedes Mal, wenn die kleinen Tierchen meine Küche bevölkern, um sich der Obstschale zu bemächtigen, kommen Erinnerungen hoch an meinen Bio-Leistungskurs vor vielen, vielen Jahren.
Was ich damals im LK noch nicht ahnte: a) ich würde doch nicht Veterinärmedizin studieren wie geplant, und b) es gibt Menschen, die beschäftigen sich hauptberuflich mit der Biologie der Kleinstlebewesen unseres Planeten. Ach so, und c) scheint es völlig legitim, dass diese Menschen einen in dieser Gesellschaft angesehenen Beruf haben. Egal ob Fruchtfliege, gemeine Blattlaus oder Ameise – Wissenschaft, also Naturwissenschaft, ist seriös.
Aber THEATERWissenschaft? In Kombination? I beg your pardon! – Das passt nicht hinten, passt nicht vorne. Oder?
In einem früheren Beitrag hier („Der / die / das theaterwissenschaftliche Bias, Oder: wie das Nachdenken über Theater zur Wissenschaft wurde“) habe ich schon einmal über die „Perspektiven“ (Achtung, Euphemismus!) auf die Vorbehale gegenüber der Theaterwissenschaft hingewiesen.

Im Kontext der Jubiläumsveranstaltungen zu 100 Jahre Theaterforschung in München hat, unter der Leitung von Christiane Pfau, ein studentisches Team über die vergangenen Monate einen Film kreiert, der am Dienstag, 21. April, 18 Uhr, im Deutschen Theatermuseum in München gezeigt wird: „Das Liebesleben der Ameisen“ lautet der Titel:
„Was studierst Du? Theaterwissenschaft? Und davon soll man leben können? Dann studier‘ doch gleich das Liebesleben der Ameisen!“ Dies hören Generationen von Studierenden so oder in Variationen bis heute. Vier Semester lang haben 55 Studierende erforscht, warum die Theaterwissenschaft so unverzichtbar ist, gerade jetzt, wo alles, was nicht sofort wirtschaftlich verwertbar scheint, auf der Kippe steht. Dafür haben sie mit Absolvent:innen von Edgar Reitz über Andreas Beck, Tobias Staab, Weronika Demuschewski, Bettina Wagner-Bergelt u.a. gesprochen und in Archiven gewühlt. Der Film ist eine Liebeserklärung an die Studierenden, an das Fach und an die Kunst.
Das Liebesleben der Ameisen | Deutschland, 2026 | Regie: Christiane Pfau | Kamera: Chris Frey, Roman Lipah, André Knauer, Alex Hirl | Fotos: Armin Smailovic | Schnitt: Hannes Müller, André Knauer, Manuela Hartel | Musik: Tobi Weber | Mit: 55 Studierenden (2024-2026)| 74 min.“>>> Dienstag, 21. April, 18 Uhr, Deutsches Theatermuseum München, Galeriestraße 4a, 80539 München.
Kommt zahlreich, schaut und staunt – und lasst uns ein gemeinsam ein Fach feiern, das unvergleichlich reichlich ist und mehr Mutationen und Varianten bietet, als eine Drosophila Flausen im Kopf hat.
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